Alfred Bekker – Herrschaft der Alten


Benn, 17 Jahre alt, gehört im Jahr 2099 in Deutschland einer Minderheit an – den Jugendlichen. Deutschland selbst hat nur noch 40 Millionen Einwohner, Tendenz sinkend, und die meisten Einwohner sind alt. Um die Jugendlichen daran zu hindern ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, herrschen strenge Regeln. Reisen ins Ausland sind erst ab 75 Jahren erlaubt, Schulen existieren nicht mehr, dafür müssen die Jugendlichen Online-Kurse absolvieren. Zudem ist jeder Mensch mit einem Chip ausgestattet, der die Überwachung gewährleistet. Akribisch wird auf die Ernährung geachtet – Sanktionen gegen Fehlverhalten sind steigende Gebühren für das Gesundheitssystem.

Alle Jugendlichen müssen Sozialstunden leisten, eine Ausbildung machen und von ihrem Gehalt 3/4 an Sozialabgaben und Steuern leisten. Auch Benns Eltern sind viel beschäftigt und haben kaum Zeit für ihren Sohn. Ebenso geht es Benns Freunden Sara, Bahar und Nicholas. Gemeinsam wollen sie aus dem System ausbrechen und fliehen, ein Unternehmen, welches extreme Risiken in sich birgt, denn die totale Überwachung macht es fast unmöglich, eigenständig zu handeln. Aber jedes Computersystem ist anfällig für Manipulationen und Benn ist ein Genie auf diesem Gebiet. Außerdem naht ein großer Sonnensturm, der die Alten und Uralten dazu zwingt, das Computersystem herunterzufahren. Die Jugendlichen haben nur diese eine Chance für ihre Flucht und je näher der Tag rückt, desto unsicherer werden sie. Schaffen sie es, diesem ungerechten System zu entfliehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen? Tun sie auch das Richtige oder machen sie sich nur selbst etwas vor? Außerdem müssen sie, wenn auch nur für eine kurze Zeit wenn alles glatt geht, offline gehen. Da das Netz aber ihr Leben ist, nagt auch dieses Gefühl an ihnen, denn so völlig “abgeschnitten” von allem sind sie noch nie gewesen.

Ich muss sagen, das Buch hat mich geschockt. Auf 146 Seiten wird ein Szenario beschrieben, welches schon jetzt viele Parallelen zur heutigen Zeit zeigt, weshalb man sich sehr realistisch vorstellen kann, dass auch wir auf dem besten Weg sind, genau so zu enden. Die Überalterung, die technische Entwicklung, das Vernetzen, die steigenden Beiträge für das Gesundheitssystem für immer weniger Leistungen und Naturkatastrophen – all diese Punkte sind auch jetzt schon aktuell, wenn auch nicht ganz so krass wie in dem Buch, allerdings haben wir ja auch noch einige Jahre Zeit bis dahin.

Ich habe zwischendurch immer wieder überlegt, das Buch beiseite zu legen und es nicht zu Ende zu lesen, denn der hohe Realitätsfaktor hat mir echt zu schaffen gemacht. Allerdings war ich zu neugierig wie die Geschichte ausgeht, weshalb ich durchgehalten habe. Alfred Bekker schafft es mühelos, die Bilder im Kopf zum Leben zu erwecken, mit all den Emotionen, der Unsicherheit aber auch diesem enormen Willen, den die Protagonisten in sich tragen. Gerade weil nicht alles glatt läuft und die Risikobereitschaft des Einen sowie die Unsicherheit der Anderen das Unternehmen immer wieder extrem gefährden ist die Spannung manchmal unerträglich. Die Jugendlichen fragen sich immer wieder, ob sie einander wirklich vertrauen können, denn sie sind aufeinander angewiesen, weil sie es nur zusammen schaffen können. Sie müssen also zusammenhalten, auch wenn sie sehr unterschiedlich sind, doch dieses eine Ziel verbindet sie.

Dieses Buch zeigt aber noch etwas anderes, ebenfalls eine Parallele, die die heutigen Jugendlichen betrifft. Wie die Protagonisten in dem Buch wissen auch die meisten Teenager von heute nicht mehr, wofür sie sich eigentlich noch bemühen sollten, aus ihrem Leben etwas zu machen, weil sie nichts davon haben. Sie sehen keinen Sinn darin ein System zu unterstützen, welches ihnen immer mehr abverlangt ohne ihnen etwas dafür zurück zu geben…Ich persönlich denke, dass dieses Buch vllt. auch dem einen oder anderen Politiker die Augen öffnen könnte.

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Michael Mueller – Canaris, Hitlers Abwehrchef

Er war einer der umstrittensten Offiziere in der NS-Zeit und zugleich ohl auch der legendenbehaftetste: Admiral Wilhelm Canaris, Chef der Abwehr.

Michael Mueller beschreibt in seinem Buch detailliert das Leben und die Karriere von Wilhelm Canaris, die schon frühzeitig von Geheimdienstaktivitäten geprägt war. Auf über 400 Seiten läßt Michael Mueller den Leser am Leben von Canaris teilhaben und beschreibt detailliert seinen Aufstieg und Fall.

Canaris verdiente sich seine ersten Geheimdienstsporen bereits vor und während des Ersten Weltkriegs, was wohl auch mit dazu führte, daß er später Chef der Abwehr wurde. Neben der Zeit der beiden Weltkriege, wird z.B. auch Canaris Mitwirken an den Putschversuchen gegen die Weimarer Republik, seine Geheimmissionen zum Wiederaufbau einer U-Boot-Flotte und seine diplomatischen wie geheimdienstlichen Aktivität während des spanischen Bürgerkriegs detailliert beschrieben.

Bis zuletzt blieb unklar welches Spiel Canaris genau spielte, der auf deinen Seite der militärischen Führung Deutschlands Informationen über die Alliierten beschaffte, gleichzeitig aber auch Kontakte zu ihnen pflegte, Juden in Sicherheit brachte und dessen Mitarbeiter auch aktiv in den militärischen Widerstand gegen Hitler eingebunden waren.

Das Canaris noch kurz vor Kriegsende ermordete wurde, war auch nur einem Zufall zu verdanken, da noch zu diesem Zeitpunkt Unterlagen über seine Mitwisserschaft des Widerstandes auftauchten.

Das Buch zeichnet ein sehr differenziertes Bild des Admirals, der wohl auch gerade durch den Film über sein Leben zu einer Legende geworden ist.

Fazit: Spannend und differenziert geschriebene Biographie. Ein buch das man nicht so schnell aus der Hand legt.

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Hans-Joachim Neumann – Friedrich I. Der erste König der Preußen

Preußen und seine Geschichte können immer wieder begeistern. Mit dem hier vorgestellten Buch beschreibt Hans-Joachim Neumann einen der eher unbekannten Preußenfürsten, dabei war es doch der Preußen zu seiner Königskrone verhalf. Als Sohn des Großen Kurfürsten und Vater des Soldatenkönigs Friedirch Wilhelm I. stzand er seit jeher im Schatten seines Vaters und Sohnes, sowie erst recht im Schatten seines Enkels Friedrich des Großen.

Hans-Joachim Neumann beschreibt hier leicht verständlich das Leben des ersten preußischen Königs. Es fällt schwer das Buch aus der Hand zu legen. Abbildungen verschiedener Gemälde, Urkunden und Gebäude sorgen für eine willkommene Auflockerung und machen es leicht sich in das 17./18. Jahrhundert hineinzuversetzen und so am Leben am preußischen Hof Anteil zu nehmen.

Neben der im Mittelpunkt stehenden Epoche seiner Amtszeit als preußischer Kurfürst und König, geht der Autor auch detailliert auf die Jugendzeit König Friedrich I. sowie seine Krankheiten ein. Damit zeichnet Hans-Joachim Neumann ein umfangreiches Bild König Friedrich I. in Preußen.

Wer sich für die preußische Geschichte interessiert, dem sei dieses Buch aus der Reihe “edition q” ans Herz zu legen. Alles in allem ein wirkliches lesenswertes Werk, daß man nur ungern aus der Hand legt.

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John Katzenbach – Der Patient

Dr. Frederick Starks ist Psychiater in New York. Seine Praxis läuft eigentlich ganz gut und er führt ein angenehmes Leben. Dieses ändert sich allerdings schlagartig, als er an seinem Geburtstag einen Brief erhält, der ihn mit den Worten: “Willkommen amersten Tag Ihres Todes” begrüßt. In diesem Brief wird ihm mitgeteilt, dass er 15 Tage Zeit hat herauszufinden, wer sich hinter dem Absender verbirgt, andernfalls sterben nacheinander alle Menschen, die ihm etwas bedeuten.

Was er Anfangs noch für einen ziemlich üblen Scherz hielt, entpuppt sich recht bald als die Wahrheit, denn es passieren ziemlich überraschende DInge. Erst wird er mit dem Selbstmord eines Patienten konfrontiert, der allerdings bei der Polizei nicht bekannt ist und dann wird sein Ruf ruiniert, in dem man ihn der Vergewaltigung einer Patientin bezichtigt. Auch wenn alles nicht wahr ist, so steht er plötzlich alleine da und er hat nur zwei Möglichkeiten…entweder er spielt das Spiel mit, oder er bringt sich um – denn diesen Ausweg stellt ihm der ominöse Absender des Briefes zur Lösung aller Probleme frei.

Natürlich ist Frederick Starks alles andere als begeistert, aber er will sich nicht so leicht geschlagen geben und nach und nach begibt er sich nicht nur in die Abgründe der Seele des Psychopathen, sondern auch in die seiner eigenen Seele. Was er dort sieht gefällt ihm nicht, aber er hat sich auf ein tötliches Katz-und Maus-Spiel eingelassen…nur ob er es am Ende gewinnen kann, ist fraglich, denn seine Gegner sind skrupellos.

Bei diesenm Thriller ist der Gänsehauteffekt vorprogrammiert. Die Abgründe der Psyche sind so vielfältig und häufig wird einem klar, dass man, gerade was die eigene Psyche angeht, gar nicht genauer hinschauen möchte aus Angst davor, was man vielleicht entdecken könnte. So ergeht es auch dem Protagonisten, denn er merkt, dass ihm gefällt was er tut, auch wenn es eigentlich seinem ursprünglichen Wesen gar nicht entspricht…In jedem von uns steckt etwas, von dem man wahrscheinlich nicht möchte, dass es ans Tageslicht gezerrt wird.

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Lucas Delattre – Fritz Kolbe, der wichtigste Spion des Zweiten Weltkriegs

Recht unbekannt und doch recht wichtig für den Ausgang des Zweiten Weltkriegs war Fritz Kolbe, deutscher Beamter im Auswärtigen Amt.

Fritz Kolbe lieferte während des Zweiten Weltkriegs regelmäßig Informationen an die Alliierten, darunter die Lagepläne von Hitlers Hauptquartier oder auch Hinweise auf geplante Judentransporte. Viele der als “Geheime Reichssache” eingestuften Informationen und Dokumente waren von einer derartigen Brisanz, daß sie der amerikanische Geheimdienst unmittelbar dem amerikanischen Präsidenten vorlegte.

Zwischen 1943 und 1945 lieferte Kolbe zahlreiche Informationen über die Schweiz an den amerikanischen Geheimdienst ohne je auch nur einen Dollar dafür anzunehmen.

Das Buch beschreibt insbesondere die Zeit zwischen 1939 – 1945, wobei Kolbe speziell zwischen 1943 und 1945 dem amerikanischen Geheimdienst entsprechende Informationen übermittelte.

Autor Lucas Delattre beschreibt anschaulich, welch wichtige und gefährliche Arbeit Fritz Kolbe damit leistete. Er geht auch darauf ein, daß Fritz Kolbe nach Ende des Zweiten Weltkriegs keine erneute Anstellung im Auswärtigen Amt bekam und dort immer noch als “Verräter” angesehen wurde. Delattre verwendet einen recht flüssigen Schreibstil, durch den das Buch den Leser immer wieder mitreißt.

Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert und bietet einen interessanten und mal etwas anderen Einblick in die Arbeit der Geheimdienste während des Zweiten Weltkriegs.

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