Archiv der Kategorie: Allgemein

Harald Neckelmann – Anhalter Bunker Berlin

Wer an der S-Bahn-Station „Anhalter Bahnhof“ aussteigt und den unterirdischen S-Bahnhof verlässt, der wird sicher auch den großen Betonklotz sehen, der dort rumsteht. Es ist der Anhalter Bunker, der während des Zweiten Weltkriegs, und insbesondere auch in den letzten Kriegstagen, vielen Menschen Zuflucht bot.

Waltraud Süßmilch hatte in ihrem Buch „Im Bunker“ eindrucksvoll über ihre Zeit in dem Betonklotz berichtet.

In seinem Buch beschreibt Harald Neckelmann ausführlich wie es zum Bau des Bunkers kam, gibt Einblicke in die Hintergründe, erklärt die Technik dahinter, lässt aber auch Zeitzeugen zu Wort kommen und blickt auch auf die anderen Berliner Bunkeranlagen und was daraus in der Nachkriegszeit wurde.

Wer den heutigen „Berlin Story Bunker“ besucht, der kann sich anhand dieses Buches genau über das von ihm besichtigte Bauwerk informieren. Sehr anschaulich kann man so in die Geschichte eines Gebäudes eintauchen, das für viele Menschen zum Lebensretter wurde. Das umfangreich bebilderte Buch kann auf ganzer Linie überzeugen, ist es doch auch vom Schreibstil her so gestaltet, daß es auch für Außenstehende leicht verständlich ist und an keiner Stelle langatmig oder langweilig wirkt.

Die Qualität der Bilder ist auch sehr gut, gerade auch wenn man bedenkt, daß einige der Fotos einen Weltkrieg bereits überstanden haben.

Wer sich für Bunker und/oder Berlin interessiert, dem sei „Anhalter Bunker Berlin“ von Harald Neckelmann wirklich empfohlen. Der Autor hat damit ein kleines aber feines Werk geschaffen, das wirklich lesenswert ist.

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Liane Moriarty – Das Geheimnis meines Mannes

Heute möchte ich euch erneut ein Buch vorstellen, welches ich als Vorab-Exemplar lesen durfte. Ich neige ja dazu, mir bereits auf den ersten Seiten eines Buches Gedanken darüber zu machen, wohin sich die Geschichte wenden könnte und was mich eventuell erwarten könnte die Handlung betreffend, nur machte ich dieses Mal die Erfahrung, dass die Geschichte nichts, aber auch rein gar nichts mit meinen ursprünglichen Gedanken zu tun hatte. Hätte ich den Klapptext im Buch gelesen, wäre es vielleicht anders, aber ich habe es nicht getan.

So, zur Handlung. Cecilia Fitzpatrick ist das, was die meisten von uns wohl unter gut bürgerlicher und vielleicht ein wenig spießiger Frau verstehen würden. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und den drei Töchtern ein sehr normales Leben in Sidney, bis sie eines Tages auf dem Dachboden einen Brief findet. Dieser Brief scheint schon etliche Jahre alt zu sein und er ist an sie gerichtet…von ihrem Mann, mit dem Hinweis, diesen Brief erst zu öffnen, wenn ihr Mann tot ist. Natürlich ist Cecilia mehr als nur neugierig, aber sie widersteht dem Drang diesen Brief zu öffnen, bis ihr Mann, der natürlich sehr lebendig ist, sich mehr und mehr in Lügen verstrickt.

Tess lebt zusammen mit ihrem Mann Will und ihrem Sohn Liam in Melbourne. Dort betreibt sie zusammen mit ihrem Mann und ihrer Cousine Felicity eine kleine Werbeagentur. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben, auch wenn sie nach wie vor ziemlich unter ihrer Unsicherheit zu leiden hat. Das ändert sich schlagartig, als ihr Mann und ihre Cousine ihr mitteilen, dass sie Gefühle füreinander entwickelt haben. Kurzerhand bucht sie einen Flug nach Sidney und fliegt mit ihrem Sohn zu ihrer Mutter, die mit einem Knöchelbruch etwas außer Gefecht gesetzt ist. Sie meldet Liam dort in der Schule an und palnt, dort eine Weile ihr Leben zu verbringen, bis sie weiß, wie und ob es in Melbourne für sie überhaupt weitergehen kann.

Und dann ist da noch Rachel. Auch sie lebt in Sidney, hat vor Jahren ihre Tochter verloren, die ermordet wurde und ist immer noch auf der Suche nach deren Mörder. Nur ihr Enkelsohn hat ihr wieder ein bisschen Lebensfreude zurückgegeben und dann muss sie sich, kurz vor dem sich jährenden Todestag ihrer Tochter, mit dem Gedanken auseinander setzen, dass ihr Sohn und seine Frau sowie ihr geliebter Enkel nach Amerika ziehen wollen.

Jede der drei Frauen hat ihr Päckchen zu tragen und doch sind ihre Schicksale sehr eng miteinander verwoben. Nichts ist mehr so wie es war und jede für sich muss Entscheidungen treffen, die das Leben der anderen, zum Teil auch wissentlich, vollkommen auf den Kopf stellt. Wie weit ist jede einzelne von den dreien bereit zu gehen? Wo werden Grenzen gesetzt und andere weggenommen?

Dieses Buch ist spannend und auch wenn man sich am Anfang ein Schmunzeln nicht verkneifen kann – irgendwann verschwindet es von allein. Auf 428 Seiten taucht der Leser in eine Welt ein, die in gewisser Art und Weise vertraut ist, denn so wie den Protagonisten ergeht es auch uns…unser Denken und Handeln sind nicht immer eins. Total überraschend fand ich jedoch den Epilog und die Geheimnisse, die wieder ein völlig anderes Licht auf alles werfen. Was will uns die Autorin damit sagen? Weiter zu gucken im Leben und unsere eigenen Beweggründe zu hinterfragen um vielleicht doch andere Entscheidungen als ursprünglich geplant zu treffen? Wer weiß, denn auch das ist eines der Geheimnisse des Lebens…

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Petra Hülsmann – Hummeln im Herzen

Ich kam in den Genuss und durfte eine Vorab-Ausgabe dieses Buches lesen und noch jetzt, (nach vier Stunden Lesemarathon) sitze ich da, streichle liebevoll die Hummel auf dem Buch – eine echt geile Idee – und hab Pipi in den Augen.

Aber kurz zur Handlung. Lena wird von ihrem Verlobten eine Woche vor ihrer Hochzeit und gleichzeitig dreißigstem Geburtstag sitzen gelassen. Kurzerhand zieht sie, nachdem sie einige Rachegelüste ausgelebt hat, bei ihrem Bruder, dessen Freundin sowie dem besten Freund ihres Bruders ein. Der Taxifahrer Knut bringt sie dort hin und gibt ihr den guten Rat mit, sich von der Liebe nich feddisch machen zu lassen – kann Lena gerade echt gut gebrauchen.

Liebeskummer ersäuft man am besten – diese Meinung teilen Lena, Michel (ihr Bruder) und Juli (Michels Freundin) und kippen sich auf den Schock kurzerhand die Birne zu. Ben, der beste Freund von Michel ist glücklicherweise nicht da, Lena kann ihn sowieso nicht leiden. Seit frühester Kindheit sind die beiden wie Katz und Maus. Ben reißt schließlich jedes Mädchen auf, was nicht bei drei auf dem Baum ist und serviert sie genauso schnell wieder ab – während Lena grundsolide ist.

Da ja das Unglück bekanntlich nicht nur einmal zuschlägt, leistet sich Lena einen Riesen-Fauxpas in der Firma und wird kurzerhand vor die Tür gesetzt. Wieder ertränkt sie ihren Frust im Alkohol – und wacht am nächsten Morgen neben einem alten Mann auf. Das reicht – Lena beschließt mittels eines Drei-Punkte-Plans ihr Leben komplett neu zu strukturieren. Sie will:

1. Karriere machen in einer PR-Agentur
2. ihren treuen, sensiblen Traummann finden
3. aus der braven Lena eine sexy Lena machen.

Natürlich ist das alles nicht so einfach und statt in einer PR-Agentur landet Lena in einem Gebrauchtbuchhandel und hat als Chef den mürrischen Otto. Und auch wenn es da einige Männer gibt, deren Bekanntschaft Lena macht – irgendwie hüpft ihr Herz immer bei Ben – eine sehr irritierende Angelegenheit…

Auf 394 Seiten beschreibt die Autorin ein Jahr im Leben von Lena. Ich habe selten so gelacht, denn bei manchen Szenen schreit der Fettnapf förmlich: Hier bin ich – und Lena landet der Länge nach drin. Allerdings auf so liebenswürdige Art und Weise, dass man nie daran denken würde, die hat sie nicht mehr alle.

Ich habe aber auch selten so geweint bei einem Buch. Hier wechseln sich Freudentränen mit Lachtränen und auch Trauertränen ab. Lena ist ein absolut liebenswürdiger Mensch mit dem sich wohl jede Frau identifizieren kann, sowohl bei den Peinlichkeiten als auch bei romantischen Dingen. Auch die anderen Figuren wie Ben und Otto schließt man irgendwie ins Herz, auch wenn sie sich grundsätzlich so verhalten, dass sie dort keinen Platz verdient haben – aber manche Dinge sind eben nicht so, wie sie auf den ersten Blick scheinen.

Dieses Buch bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung. Ich werde es nochmal lesen…und nochmal…einfach weil es sooooo schön ist!!!

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Tom Hillenbrand, Konrad Lischka – Drachenväter

Drachenväter – als ich den Buchtitel das erste Mal hörte, dachte ich eher an ein Buch über Väter von Scheidungskindern oder was auch immer. Doch hinter dem Buchtitel verbirgt sich etwas anderes: ein via Crowdfounding finanziertes und im Eigenverlag veröffentlichtes Buch über die Geschichte der Rollenspiele im Allgemeinen und „Dungeons & Dragons“ im Speziellen, von den frühen Anfängen bis hin zu Computerspielen wie World of Warcraft.

Daß die Autoren sich mit der Materie intensiv befasst haben, merkt man von der ersten Seite an. Vom Urschleim an wird hier wirklich alles in einer detaillierten Art und Weise beschrieben, daß wohl keine Frage offen bleibt. Gespräche mit Zeitzeugen, Machern aus der Szene, gepaart mit Fotos von früheren Spielen oder Zeitschriften lassen „Drachenväter“ zu einer Fundgrube für alle werden, die sich für das Thema interessieren.

Der Leser wirft einen Blick hinter die Kulissen der Firmen, die durch die verschiedenen Rollenspiele groß wurden (und wieder untergingen), er erfährt wie Rollenspieler einst von der Gesellschaft nicht ernst genommen wurden und wie vor Rollenspielen gewarnt wurde (das kommt mir irgendwie bekannt vor…).

Als jemand der sich bis dato nicht mit Rollenspielen beschäftigt hatte, war es dennoch nicht schwer sich in das Buch einzulesen. Zu viel fachchinesisch wird von den Autoren vermieden.

Die 360 Seiten sind sehr flüssig geschrieben, man mag das Buch kaum aus der Hand legen.

Was den Lesefluß etwas stört, sind die in englisch gehaltenen Originalzitate. Schade, eine Übersetzung ins Deutsche wäre gerade auch für die gut gewesen, die nicht so gut englisch können.

Beim Lesen fielen mir ansonsten einige wenige Tippfehler auf, die den positiven Gesamteindruck ein wenig schmälern. Da hätte man beim Lektorieren etwas genauer drauf gucken sollen.

Ansonsten ist das Buch eine gute Grundlage für alle, die sich mit dem Thema Rollenspiele etwas näher beschäftigen wollen. Es bietet einen guten Überblick über die Entwicklung dieses noch sehr jungen Spielegenres.

Das Buch ist als Hardcover sowie auch als Ebook erhältlich. Für die Rezension stellte mir Mitautor Konrad Lischka das Buch als Ebook kostenlos zur Verfügung. Meine Meinung zu dem Buch ist aber davon nicht beeinflusst.

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Jussi Adler Olsen – Schändung

Dies ist der zweite Teil rund um Jussi Adler Olsens liebenswert schrulligen Carl MØrck mit dem Titel Schändung.
Assad hat sich nach dem ersten Fall sehr bewährt, Carl vertraut ihm und wundert sich auch nicht mehr, als plötzlich eine Akte auf seinem Tisch landet, an die er sich beim besten Willen nicht erinnern kann. Es geht um einen Mordfall, der vor zwanzig Jahren passiert ist. Ein Geschwisterpaar wurde brutal ermordet, es gab auch Verdächtige, eine Gruppe Internatsschüler, denen damals jedoch nie etwas bewiesen werden konnte.

Eher unwillig macht sich Carl daran, die Akten zu durchstöbern, Informationen zu sammeln und stößt dabei auf Hindernisse, die bis ganz nach oben reichen, auch in seinen eigenen Reihen. Und dann ist da noch Kimmie, die sowohl von der einen, als auch von der anderen Seite gesucht wird, denn Kimmie weiß genau, was damals passiert ist und wer die wahren Täter sind.

Doch jeder, der Carl MØrck kennt weiß, dass es ihn eigentlich herzlich wenig interessiert, was seine Vorgesetzten sagen, ein Umstand, der ihn vielleicht teurer zu stehen kommt, als er vielleicht ahnt. Aber dann ist da auch noch Assad und die neue Kollegin, die als tatkräftige Unterstützung ins Team kommt und zum ersten Mal seit langer Zeit merkt Carl, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, der einem den Rücken stärkt und deckt.

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