Archiv der Kategorie: Biographien

Hartmut Mehdorn – Diplomat wollte ich nie werden

Einer der wohl umstrittensten Manager Deutschlands, Hartmut Mehdorn, gibt in diesem Buch Auskunft über sich. Das als Interview aufgemachte Buch, in dem Hugo Müller-Vogg den Manager befragt, gibt Aufschluss über den Werdegang von Mehdorn, der aus der Luftfahrtbranche kam, ins Geschäft mit Großdruckmaschinen wechselte und dann Chef bei der Deutschen Bahn wurde. Zu diesem Zeitpunkt entstanden auch die Interviews, die sich jetzt mit etwas zeitlichem Abstand – immer noch sehr aufschlußreich lesen. Zumal man jetzt auch weiß, wie die Geschichte der Deutschen Bahn dann letztlich weiter ging. Was wurde aus den Plänen des Börsengangs usw.?

Man muß nicht mit Hartmut Mehdorn einer Meinung sein in vielen Dingen, dennoch kann man nach Lektüre des Buches die eine oder andere seiner Entscheidungen sicher besser nachvollziehen.

Mehdorn ist ein Mann der klaren Worte und genauso ist auch dieses hier entstandene und veröffentlichte Interview zu lesen. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Das ganze Buch ist wie aus einem Guß, lässt sich flüssig lesen und ist auch klar verständlich. So machen Interviews Spaß.

Knapp 200 Seiten Interview mit einem Mann, der so sehr polarisiert in der Wirtschaft wie kein anderer. Spannend zu lesen, immer wieder mit Anregungen zum nachdenken versehen und immer wieder mit der Frage im Hintergrund wie es wohl weitergegangen wäre, wenn Mehdorn immer noch Bahnchef wäre.

Mir hat es Freude bereitet dieses umfangreiche Interview zu lesen. Das Buch lag schon länger bei mir rum, ich hätte es wohl schon etwas früher lesen sollen.

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Munro Price – Napoleon – Der Untergang

Im Jahre 200 nach der Schlacht von Waterloo sprießen die Bücher rund um die Schlacht und Napoleon nur so. Eines davon ist das im Siedler-Verlag erschienene Buch von Munro Price, das sich speziell auf die Zeit von 1813 – 1815 bezieht und einen detaillierten Blick in jene Zeit aufzeigt. Auf knapp 400 Seiten beschreibt Munro Price detailliert die Zeit zwischen Beginn des Jahres 1813 und Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo.

Price nimmt sich, das merkt dem Schreibstil an, des Thema recht wissenschaftlich, aber niemals langweilig oder gar unverständlich an. Er beschreibt genau bis zu welchem Zeitpunkt Napoleon sein Schicksal noch selbst in der Hand hatte, bis zu welchem Zeitpunkt er sich und seine Krone hätte retten können. Auch wirft er einen blick auf das Umfeld des Korsen, einen Blick was zu dem Zeitpunkt beim französischen Volk vor sich ging, das eigentlich auch schon längst hätte Frieden haben wollen.

Das Buch ist kein Roman, es ist ein Sachbuch, aufbauend auf vielen Originalunterlagen von Zeitzeugen. Darunter sind auch viele bisher nicht ausgewertete Originalunterlagen, die auf Napoleon und sein Umfeld ein neues Licht werfen und dazu beitragen zu verstehen, wie alles so zustande kam.

Trotz des wissenschaftlichen Hintergrunds des Autors ist das Buch sehr flüssig geschrieben und lässt sich leicht lesen. Da macht Geschichte Spaß.

Warum schlug Napoleon die zahlreichen Friedensangebote aus, die sich ihm in dieser Zeit noch boten? Gab es tatsächlich nach der verlorenen Schlacht von Leipzig für Napoleon noch Möglichkeiten die Krone für sich zu retten? Dieser doch recht interessanten und wichtigen Frage, geht Munro Price mit dem Buch akribisch auf den Grund. Wer tiefer in die letzten zwei Regierungsjahre Napoleons Einblick nehmen möchte, der kommt nicht umhin sich dieses Buch zu holen. Aber auch sonst ist das Buch eine sehr interessante Lektüre, die man nur sehr ungern aus der Hand legt.

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Alice Schroeder – Warren Buffett, Das Leben ist wie ein Schneeball

Er ist einer der reichsten Männer der Welt, doch über sein Leben ward bis dato wenig bekannt. Alice Schroeder verschaffte sich einen persönlichen Zugang zu Warren Buffett, sprach mit ihm und den Menschen seiner Umgebung und so entstand die erste Biographie über Investmentguru Warren Buffett. Beginnend in der frühen Kindheit des als „Orakel von Omaha“ gern bezeichneten Investors bis in die heutige Zeit wird der Aufstieg von Warren Buffett beschrieben: seine ersten Investments, seine von vielen in den Wind geschlagenen Warnung vor der Internetblase, seine Bekanntschaft mit Bill Gates und auch sein Investment bei Salomon Brothers.

Das über 1.100 Seiten (zzgl. Danksagung und Anmerkungen) umfassende Buch liest sich recht flüssig und auch für Einsteiger in die Welt der Aktien ist es zu empfehlen um so die Denk- und Handlungsweise eines Investors wie Warren Buffett zu verstehen.

Alice Schroeder hat für dieses Buch fünf Jahre intensiv recherchiert und dies merkt man dem Buch auch an. Sie blickt dabei auch tief in Warren Buffett hinein und ermöglicht so ein umfassendes Portrait dieses Mannes.

Fazit: Außergewöhnlich gut geschrieben mit vielen interessanten Hintergrundinfos zu einem der erfolgreichsten Männer unserer Zeit.

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Lisa Müller – Nimm mich, bezahl mich, zerstör mich

Als mich dieses Buch erreichte, wurde mir im Vorfeld angekündigt, dass es sich um ziemlich harte Kost handelt. Nun ja, wenn man nach dem Einband geht, in welchem angekündigt wird, dass die damals vierzehnjährige Lisa Müller freiwillig als Prostituierte arbeitete und in diesem Buch über ihre Erfahrungen als solche berichtet, stimmt man dem ja erst einmal zu.

Also habe ich angefangen zu lesen. Man merkt natürlich sofort, dass hier kein Profi am Werk ist und mehr als einmal war ich geneigt das Buch beiseite zu legen, weil ich mich, gelinde gesagt, nicht nur am Scheibstil störte sondern mich fragte – was will mir dieses Buch bzw. die Autorin eigentlich sagen?

Doch zuvor zur Geschichte an sich. Lisa Müller wird in einem kleinen Ort namens Illingen geboren und dort herrscht, laut ihren Erzählungen, das kleinbürgerliche Leben. Ordentliche Vorgärten, jeder geht seines Weges und es gibt nicht wirklich irgendwelche Besonderheiten. Das Familienleben von Lisa zeichnet sich nicht unbedingt durch ein liebevolles Miteinander aus, sie geht viel ihre eigenen Wege und nach der Scheidung der Eltern noch mehr. Geld ist nicht wirklich vorhanden. Lisa sammelt früh ihre ersten sexuellen Erfahrungen, wenn auch mehr aus dem Grund, nicht hinter den anderen Mädchen hinterher zu hinken und so spielt es letztendlich keine Rolle, mit wem sie schläft.

Es dauert eine ganze Weile und viele Männer, bevor sie anfängt Geld zu nehmen. Anfangs nur sporadisch, später wird es mehr. Einen Freier gibt es nicht, sie macht es einzig und allein für sich. Ihre Mutter bekommt von alledem nichts mit. Auch nach einem Umzug nach Heilbronn ändert sich die Einstellung der mittlerweile sechzehnjährigen nicht. Sie inseriert sogar in einer Zeitung um an mehr potentielle Geldgeber zu kommen, mit denen sie sich vergnügen kann. Auch wenn sie zwischenzeitlich immer wieder mal denkt, dass sie dreckiges Geld ausgibt, weil sie schließlich ihren Körper verkauft – sie macht weiter. Mit achtzehn hat sie genug und steigt aus.

Generell gewann ich beim Lesen schnell den Eindruck, dass sich Lisa über den Sex mit Männern definiert und eigentlich nur nach Nähe und Geborgenheit sucht. Das Buch an sich verfügt über einige Ungereimtheiten und es kommt der Eindruck auf, dass vieles nicht der Wahrheit entspricht. Es hat in meinen Augen keinen warnenden Charakter, denn alles was Lisa tut ist freiwillig, sie wird nicht gezwungen oder genötigt. Auch wenn sie noch so jung war – die Entscheidung hat sie allein getroffen. Normalerweise hätte nach einer Passage im Buch auch das Jugendamt aktiv werden müssen, da Lisa bei der Kripo bereits aktenkundig war. Da nichts dergleichen passierte stellt sich natürlich schon die Frage – haben hier Behörden und Institutionen versagt, oder wird allen ein großer Bär aufgebunden?

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MC Rene – Alles auf eine Karte – wir sehen uns im Zug

Rene war früher mal erfolgreicher Rapper und TV-Moderator. Dann landete er irgendwann in einem kleinen Berliner Callcenter. Eines Tages fasste er den Entschluß Comedian zu werden. Er setzte wirklich alles auf eine Karte, gab den Job auf, kündigte seine Wohnung, kaufte sich eine Bahncard 100 und lebt seitdem als Nomade in Zügen. Nachtquartiere findet er bei Freunden oder auch schon mal bei Frauen die ihm verschweigen, daß sie nen festen Freund haben.

Rene beschreibt seine Erlebnisse auf Tour, was er so in den Zügen mitmacht, die Erlebnisse in einer Fußgängerzone vor ner Handvoll Leuten aufzutreten oder wenn er seinen Gastgebern mal wieder den Kühlschrank leerräumt.

Locker ist der Schreibstil von Rene, der mit diesem Buch aufzeigt, daß das Leben auch anders verlaufen, anders gelebt werden kann, als die meisten es kennen. Es macht wirklich Spaß das Buch zu lesen. Lediglich einige Schreibfehler hätten nicht sein müssen und trüben den positiven Gesamteindruck recht leicht.

Schmunzeln kann man bei dem Buch das eine oder andere Mal. Sei es wenn er von seinem Aushilfsjob bei einer Pornosynchronisation berichtet oder von seinen Erlebnissen mit diversen Fahrgästen im Zug. Manche dieser Erlebnisse kommen mir als regelmäßigem Bahnfahrer vor, als hätte er die mit mir gemeinsam erlebt. Sehr schön auch das am Ende des Buches angefügte Glossar mit Hinweisen zum entspannten Bahnfahren.

Das als Taschenbuch, Ebook und Hörbuch erschienene Buch von MC Rene lässt sich in wenigen Stunden durchlesen. Ideal für eine längere Zugfahrt geeignet, wo man dann seine Fahrgäste beobachten kann, ob selbige wohl auch in dem Buch vorkommen. 😉

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