Deon Meyer – Cobra

Bei dem Buch handelt es sich um einen Thriller, der mich überzeugt hat. Er spielt in Südafrika rund um Kapstadt. Bennie Griessel, ein nicht perfekter Polizist ermittelt in einem Mordfall. Auf einem Weingut werden drei Bodygards erschossen und ein Brite ist verschwunden. Die Täter sind skrupellos. Die zweite Hauptperson ist ein Taschendieb namens Tyrone, der tief in den Fall rein rutscht. Mehr möchte ich nicht zum Inhalt ausführen, da sonst die Spannung beim Lesen weg ist und das wäre schade.

Die Aufmachung von dem Buch ist überzeugend. Ich liebe es wenn das Lesezeichen als kleines Bändchen mitgeliefert wird. Der Umschlag ist schlicht gestaltet und das Bild wirkt geheimnisvoll, so wie es sich für einen Thriller gehört. Am Ende vom Buch hat man ein Glossar für die Afrikaans Wörter, ein Porträt von Deon Meyer und eine Übersicht über seinen anderen bisher erschienen Thriller.

Deon Meyer ist ein Fan von Henning Mankell. Das merkt man deutlich seiner Hauptperson an. Wie Wallander von Henning Mankell ist Bennie Griessel eine Persönlichkeit mit privaten Problemen und nicht der strahlende Held. In meinen Augen ist Bennie Griessel noch mehr Antiheld als Wallander. Der Erzählstil ist schneller und komprimierter als bei Mankell.

Das Buch hat ein hohes Erzähltempo, was bis zum Ende durchgehalten wird. Man muss sich konzentrieren und kann es nicht einfach nebenbei lesen. Man wird aber auch durch das hohe Tempo gefesselt und festgehalten. Es fällt schwer aufzuhören.

Die Erzählebenen wechseln laufend hin und her. Es wird sowohl aus der Sicht des Polizisten als auch aus der Sicht des Taschendiebs erzählt. Man muss sich also beim Lesen konzentrieren.

Ich fand die verschiedenen Begriffe für Polizeieinheiten und wie die untereinander zusammenhängen teilweise etwas schwierig zu verstehen und zu folgen. Die verwendeten Afrikaansbegriffe verleihen dem Ganzen Authentizität und stören mich nicht. Ich bin aber auch Afrikafan. Jemand anders hat damit vielleicht mehr Probleme.

Ben Griessel ermittelt bereits in diesem Buch in seinem 4. Fall. Ich kenne die anderen Bücher bis jetzt noch nicht. Ich hatte beim Lesen auch nicht das Gefühl, dass mir Wissen aus den anderen Büchern fehlen würde. Ich habe es eh erst beim Lesen des Glossars erfahren.

Inwieweit der Fall realistisch ist, darüber möchte ich nicht spekulieren. Da kenne ich mich zu wenig aus. Auf alle Fälle ist er unterhaltsam und spannend. Wenn auch das Ende ein paar Fragen offen lässt und etwas abrupt daher kommt.

Fazit ein spannender, schneller Thriller mit interessanten Charakteren, der in einem tollen Land spielt.

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Mario Giordano – Tante Poldi und die sizilianischen Löwen

Tante Poldi und die sizilianischen Löwen ist ein amüsant zu lesender Kriminalroman – kein tiefgehender anspruchsvoller Krimi. Das Buch ist leichte Kost und stellt keine großen Ansprüche an den Leser. Der Lokalkolorit von Bayern und Sizilien steht im Mittelpunkt und soll den Leser auf angenehme Art und Weise unterhalten.

Tante Poldi, eine 60 jährig extrovertierte Urbayerin, zieht  nach Sizilien und will sich dort zu Tode
saufen, was aber zum einen die Familie ihres verstorbenen Exmannes verhindern will und zum anderen kommt ihr ein Mord dazwischen. Sie ist so neugierig das sie das ermitteln nicht sein lassen kann und der hiesigen Polizei immer ein bisschen voraus ist. Ihre ganzen Ermittlungen erzählt sie ihrem Neffen – einem erfolglosen Schriftsteller, dem sie zu Ruhm und Ehre verhelfen will und auch nicht mit guten Ratschlägen spart.

Die Geschichte selber wird aus der Sicht ihres Neffen erzählt, der die Erlebnisse seiner Tante inkl. der bayrischen und indischen Ausrufe aufschreibt. Sie kommt daher sehr kurzweilig mit viel Witz daher.

Man fühlt sich das ganze Buch über gut unterhalten. Die Hauptfigur ist schräg genug um eine ganzes
Buch über die Leser zu unterhalten und viele teils leicht verrückte Ermittlungsschritte zu unternehmen. Wenn sie nicht weiter kommt, hilft Kommissar Zufall. Wie es sich für Tante Poldi gehört, verliebt sie sich in den Kommissar. Die daraus resultierende obligatorische Liebesszene empfinde ich als wenig gelungen. Aber da kann man ja schnell weiter lesen.

Immer wieder eingestreut werden italienische Leckerbissen in allen Farben beschrieben, so dass man mit Sicherheit Lust zum Kochen und Essen bekommt. Sizilien selber und seiner Bewohner werden immer wieder mit liebevollen humorvollen Seitenhieben bedacht.

Als störend empfand ich dass jedes Kapitel mit einer kurzen Zusammenfassung der zukünftigen
Ereignisse anfängt. Ich lass mich lieber überraschen und lese nicht vorneweg eine Zusammenfassung. Aber da diese Zusammenfassungen deutlich vom restlichen Text abgehoben sind, kann man sie auch einfach ignorieren.

Am Ende des Buches kommt leider noch ein Zaunpfahl inklusiver gesamten Zauns vorbei und weist darauf hin, dass Tante Poldi weiter ermittelt und man auf neue Bücher gespannt warten kann. Ich hätte es subtiler als besser empfunden.

Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen und habe mich dabei gut unterhalten empfunden, aber es gibt sicherlich bedeutende und anspruchsvollere Literatur.

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Chris Hilton – Der Hamster hat Schluckauf

Irgendwann bekam ich das Buch mal zum Rezensieren zugeschickt, schob es aber immer wieder auf es zu lesen. Jetzt habe ich mich doch mal dran gemacht und war es doch anders als erwartet.

Autor Chris Hilton ist von Beruf Pornodarsteller. In „Der Hamster hat Schluckauf“ erzählt er wie er in die Szene gelangte und was sich dort so abspielt. Dabei lässt er aber nicht den coolen Macker raushängen, sondern betrachtet die gesamte Szene sehr kritisch. Er räumt auch mit dem Gerücht auf man könne da viel Geld verdienen, doch die Zeiten sind lange schon vorbei.

Was Hilton beschreibt ist die Realität der Branche, die längst anders aussieht als irgendwelche Hochglanzcover sie erscheinen lassen. Von Darstellerinnen, die aus der Pornoszene in die Prostitution abrutschen oder anfangen Drogen zu nehmen. Davon, daß letztlich auch nach einem Ausstieg immer was zurück bleibt, daß man das Kapitel nie endgültig abschließen kann.

Lustige, verrückte, nachdenkliche Episoden enthält „Der Hamster hat Schluckauf“ und auch wie es zu dem seltsamen Buchtitel kam, wird in dem Buch erklärt. Chris Hilton nimmt dabei in seiner Ausdrucksweise kann Blatt vor den Mund, vielleicht teils etwas zu deftig für zart besaitete Gemüter.

Wer damit kein Problem hat, der bekommt eine Lektüre in die Hand, die durchaus auch einen gewissen Informationswert hat, was bei dem Thema nicht unbedingt zu erwarten war. Es wird mit Gerüchten aufgeräumt, Fakten werden benannt und klargestellt, daß Pornodarsteller/in alles andere als ein Traumberuf ist.

Und Hilton stellt auch klar: heute würde er sich nicht wieder für den Job entscheiden. Vielleicht auch etwas, was zum Nachdenken anregen sollte.

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Steffen Möller – Viva Warszawa!

Steffen Möller ist Deutscher und wohnt seit über zwanzig Jahren in Warschau. In „Viva Warszawa!“ beschreibt er sein Leben vor Ort, warum der Rest Polens Warschau nicht mag und wieso die Warschauer immer über ihre Stadt schimpfen.

Das Buch ist sehr kurzweilig beschrieben und neben diversen Geschichten, die Möller in Warschau erlebte, gibt es auch einige sehr interessante Tips für Touristen, die sich mal abseits von Königsschloss und Kulturpalast umschauen wollen. Wer also schon immer mal wissen wollte, wo es die besten Pfannkuchen in Warschau gibt und ob er gefahrlos jedes erdenkliche Taxi nehmen kann ohne dabei über den Tisch gezogen zu werden, der wird in „Viva Warszawa!“ die Antworten auf diese Fragen finden.

Wer einen klassischen Reiseführer erwartet, wird sicher enttäuscht sein, denn das ist „Viva Warszawa!“ sicher nicht. Dennoch finden sich in dem Buch zahlreiche Hinweise für Touristen, die man in einem klassischen Reiseführer vielleicht eher nicht finden würde und die dem Besucher von Warschau die Stadt aus einem ganz anderen Blickwinkel zeigen.

Das Buch liest sich recht flüssig, hat durchaus einen in Teilen humoristischen Klang und zeigt Warschau und seine Bewohner von einer Seite, wie man sie wohl eher nicht erwarten würde. Wo ich dem Autor aber widerspreche, ist die Aussage, die Polen würden Touristen gegenüber eher verschlossen sein und ihnen nicht von sich aus helfen. Genau das habe ich jedoch dort schon mehrfach erlebt, anders als in Deutschland.

Wer bisher Polen nur von den grenznahen Polenmärkten kennt, der sollte vielleicht mal dieses Buch lesen und sich danach tiefer nach Polen reinwagen. Auch für Leute, die schon öfters in Warschau waren, dürfte das Buch sicher noch die eine oder andere Neuigkeit in sich verstecken und so dazu aufmuntern, nochmal die Stadt zu besuchen.

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Hartmut Mehdorn – Diplomat wollte ich nie werden

Einer der wohl umstrittensten Manager Deutschlands, Hartmut Mehdorn, gibt in diesem Buch Auskunft über sich. Das als Interview aufgemachte Buch, in dem Hugo Müller-Vogg den Manager befragt, gibt Aufschluss über den Werdegang von Mehdorn, der aus der Luftfahrtbranche kam, ins Geschäft mit Großdruckmaschinen wechselte und dann Chef bei der Deutschen Bahn wurde. Zu diesem Zeitpunkt entstanden auch die Interviews, die sich jetzt mit etwas zeitlichem Abstand – immer noch sehr aufschlußreich lesen. Zumal man jetzt auch weiß, wie die Geschichte der Deutschen Bahn dann letztlich weiter ging. Was wurde aus den Plänen des Börsengangs usw.?

Man muß nicht mit Hartmut Mehdorn einer Meinung sein in vielen Dingen, dennoch kann man nach Lektüre des Buches die eine oder andere seiner Entscheidungen sicher besser nachvollziehen.

Mehdorn ist ein Mann der klaren Worte und genauso ist auch dieses hier entstandene und veröffentlichte Interview zu lesen. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Das ganze Buch ist wie aus einem Guß, lässt sich flüssig lesen und ist auch klar verständlich. So machen Interviews Spaß.

Knapp 200 Seiten Interview mit einem Mann, der so sehr polarisiert in der Wirtschaft wie kein anderer. Spannend zu lesen, immer wieder mit Anregungen zum nachdenken versehen und immer wieder mit der Frage im Hintergrund wie es wohl weitergegangen wäre, wenn Mehdorn immer noch Bahnchef wäre.

Mir hat es Freude bereitet dieses umfangreiche Interview zu lesen. Das Buch lag schon länger bei mir rum, ich hätte es wohl schon etwas früher lesen sollen.

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